Dienstag, 31. Januar 2006

Einfalt oder Vielfalt

"Von Pressekonzentration und Selbstgleichschaltung im Zeitungswesen" überschrieb Franziska Augstein ihren Beitrag über das Interesse ausländischer Finanzkonglomerate an der deutschen Presse:
www.blaetter-online.de/artikel.php?pr=2208

Was heisst Kapitalismuskritik

Die Abschiedsvorlesung, die Elmar Altvater am 18. Januar 2006 Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin gehalten hat, kann man bei Freitag nachlesen: www.freitag.de/2006/03/06030601.php

"Unwiderlegbare Beweise" für CIA-Gefängnisse liegen nicht vor

Das nenne ich journalistisch unredlich:
Statt den wohl derzeit größten politischen Skandal zu recherchieren, nämlich auf den Inhalt des letzten Satzes dieses Miniartikels * einzugehen mit dem Inhalt – ich wiederhole: es sei gesichert, dass "US-Agenten zahlreiche Häftlinge von europäischen Staaten aus (ob mit Duldung, Wissen oder sogar Unterstützung, das bleibt noch offen, oder es wäre aufzuklären!) in Drittländergebracht hätten, in denen sie gefoltert wurden, betonte der Ermittler" - also statt dessen drucken Sie eine fette Überschrift als Erfolgsmeldung, dass "unwiderlegbare Beweise" für CIA-Gefängnisse eben nicht vorlägen.
Wenn sie nicht vorliegen, heißt es ja nicht, dass es sie nicht gibt. Wie auch umgekehrt viele Meldungen Ihres Blattes einer kritischen Überprüfung nicht standhalten dürften.

Mit Wut im Bauch
HM

*Aus der Berliner Morgenpost vom 25. Januar 2006
http://morgenpost.berlin1.de/ausgabe/2006/01/25/politik/806359.html

Dienstag, 17. Januar 2006

Weltmeister lohnt nicht, Teil II

Ich bekam folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr M.,

es gibt im Journalismus ein ungeschriebenes Gesetz: Mache dich nie über die Namen anderer Leute lustig. Ich werde das - im Gegensatz zu Ihnen - weiterhin befolgen, obwohl mir sowohl zu Ihrem Vor- als auch zu Ihrem Nachnamen eine Menge einfallen würde.

Im übrigen sehe ich die Globalisierung - wie Sie offenbar auch - durchaus kritisch an den Punkten, die den unterschiedlichen Nutzen dieser Entwicklung für das Kapital einerseits und die Arbeitnehmer andererseits betreffen.

Dies wird in meinem Kommentar hoffentlich deutlich. Allerdings muss man auch daran denken, dass es in Deutschland ein vergleichsweise hohes Lohnniveau gibt. Daran festzuhalten fällt schwer, wenn es hundert Kilometer weiter östlich Löhne gibt, die weit unter den unseren liegen. Die Folgen dieses Wettbewerbs mag man beklagen, jeder spürt sie - aber das ist nun mal die
Realität. Und weder Gewerkschaften noch Politiker werden daran in absehbarer Zeit etwas ändern können. Es sei denn, aus irgendeinem Grund bräche ein neues Zeitalter des Protektionismus an, aber das wünschen sich sicher die wenigsten.

Hochachtungsvoll
C.B.



Die ich meinerseits folgend beantwortete:

Sehr geehrter Herr B.,

selbstverständlich wollte ich mich nicht über einen mir unbekannten Namen lustig machen - entschuldigen Sie, falls das falsch angekommen ist. "Lustig machen" wollte ich mich allerdings über Ihre Überschrift, und ich hoffe, Sie kriegen deswegen von Frau G. noch Ihr Fett ab.

Andere "ungeschriebene Gesetze" im Journalismus - ich erbitte eine
möglichst vollständige Aufstellung - sollten aber sein, daß man u.a. sich über den Gegenstand eines Kommentars etwas mehr Gedanken macht, als bloß die gängigen Parolen von zu hohen Löhnen, zu hohen Lohnnebenkosten, zu niedrigen Gewinnen = zu wenig Investitionen nachzubeten.
Mir scheint, daß die Lobby der Metallindustrie in Gestalt der INSM
(Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) hier sehr geschickt und auch erfolgreich gearbeitet hat, indem sie diese ihre Parolen unter "die Leute"/Schulen/Journalisten bis hin zum "Marienhof" streut, so daß man der Mühe der eigenen Recherche enthoben wird.

Wenn es nämlich nach den Gewinnen und der Entwicklung der Löhne ginge, dann müßte die Wirtschaft, insbesondere "im Osten" des Landes ja nur so brummen, denn dort, wie auch zunehmend " im Westen" werden die KollegInnen durch blanke Erpresung und Nötigung zu Lohnverzicht, zu unbezahlten Überstunden und zum Verzicht auf in Jahrzehnten erkämpfte Rechte gebracht, und trotzdem liegt die Arbeitslosigkeit dort bei 20 und mehr Prozent.
Hier könnte ein engagierter Wirtschaftsredakteur mal zeigen, was er so drauf hat!

Mit freundlichen Grüßen
H.M.

Zur Lektüre empfehle ich: Albrecht Müller: Die Reformlüge, Knaur
Taschenbuch, 2005, 8,95 Euro,
sowie dessen Webseite: www.nachdenkseiten.de

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